Hätte der Wein von Pirú ein Gesicht, es wäre der Teint eines Gauchos. Ledrig, von der Sonne gegerbt, zerfurcht wie die staubtrockenen Hochebenen im Nordwesten Argentiniens. «Escuchame», würde er sagen, hör gut zu! Er würde aus quicklebendigen Augen ins Lagerfeuer blicken und darüber philosophieren, wie winzig einem das Leben erscheint, wenn mächtige Andengipfel über einem thronen – wie der Cerro de los Siete Colores, in dessen auslaufende Flanken die Reben von Pirú ihre Wurzeln schlingen. Verschiedene Mineralschichten tauchen das Massiv in wunderliche Farbschattierungen, von Aschgrau über metallisches Schwarz bis Bordeauxrot. Der Gaucho würde von Auswanderern erzählen, die ihr Winzerwissen über den Atlantik brachten. Allen voran jene aus Italien. Sie sind in Sachen Weinbereitung das, was Argentinien kürzlich auf dem Fussballrasen wurde: Weltmeister! Dann die Franzosen. Kaum Zufall, feiert Argentinien sein Buenos Aires gern als «Paris der Südhalbkugel». Der Grande Nation verdankt es seine Paradetraube, den Malbec. Doch es braucht Latino-Temperament aus Argentinien, um diesen tanninstarken wilden Mustang unter den Rebsorten zu zähmen. Die Weine von Pirú vereinen Einflüsse aus Terroir und Technik zu emotionalen, muskulösen Tropfen mit intensiver Frucht, deren Züge unverkennbar durch die Anden geprägt sind – in denen sich aber genauso europäische Finesse spiegelt.




